Der Schäfer auf dem Töppelberg

Der Schäfer auf dem Töppelberg Rechts neben der alten Chaussee nach Pasewalk, unübersehbar befindet sich ein Hügel mit wenigen vom Wind zerfurchten Kiefern. Es ist der "Töppel- oder Täppelberg". Hier hatte einmal am Abhang der alte Schäfer aus Rollwitz seine Schafe gehütet, ganz still war es, nur die Fliegen summten in der Mittagshitze. Stricken mochte der Alte in der Hitze nicht mehr, und so vertrieb er sich die Zeit mit Flötenspiel.
Er spielte noch nicht lange, da standen plötzlich drei wunderschöne Mädchen vor ihm und baten, er solle doch für sie zum Tanz aufspielen. Der Alte war nicht ungefällig und erfüllte ihren Wunsch. Um sich dankbar zu erweisen, wollten die Mädchen dem Schäfer etwas schenken.

Die erste hielt ihm einen Beutel mit Geld hin; doch der Schäfer wollte ihn nicht annehmen.
Die zweite hielt ihm einen gefüllten Essenkaliet (Spankorbbehälter) hin. Aber auch dieses Geschenk nahm er nicht an . Er sagte, er hätte gern zum Tanz aufgespielt und beanspruche dafür keinen Lohn.
Da hielt ihm die dritte einen Blumenstrauß hin; den könnte er ja annehmen. Aber auch der wurde abgelehnt, so sehr die Jungfer ihm auch zuredete.
Schließlich dachte er, die Blumen kannst du doch annehmen. Wie er gerade die Hand nach dem Sträußchen ausstrecken wollte, da wehten aus Rollwitz die letzten Klänge der Abendglocke von der Kirche herüber. Und verschwunden waren alle drei Mädchen. Nur klagende Stimmen vernahm er noch, die da sagten: "Ach hättest du doch wenigstens die Blumen genommen, dann wären wir erlöst"! Noch oft hat der alte Schäfer an der selben Stelle gesessen, aber niemals ist ihm wieder die Gelegenheit geboten worden, die armen Seelen der drei Jungfrauen zu erlösen. Der Töppelberg - auch Tempelberg genannt- ist ein Hügelgrab aus der Bronzezeit.

Aus Teufelssteine Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker Schibri Verlag Milow . Edition PAN herausgegeben von ARKADIEN e.V. unter Mitarbeit von Gerhard Kohn - Milow Schibri-Verl.,1997